Aggregatzustände des Seelischen: Grün – Gelb – Rot

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 In einem früheren Beitrag habe ich über die Verschränkung von komplementären Prioritäten nachgedacht. Die richtige Dosis einer Eigenschaft macht ihre Wirkung aus. Bereits leichte Unter- oder Übersteuerungen können in den gelben oder roten Bereich führen. Aus der Medizin wissen wir, dass die falsche Dosierung eines Medikamentes fatale Folgen haben kann: mehr ist eben nicht besser!

Ein Mann, der seine sexuellen Regungen mit Druck durchsetzen will, erzeugt Widerstand. Und je größer der Druck wird, umso mehr wird sich die Partnerin zurückziehen. Wenn „Zuwendung“ (grün) zur „Aufdringlichkeit“ (gelb) wird, wird sie auf der Gegenseite mit „Rückzug“ (ebenfalls gelb) quittiert. Wir würden empfehlen, „das Unerwartete“ zu tun (Rudolf DREIKURS): er möge sich zurückhalten. Die komplementäre, von der Partnerin nicht erwartete Verhaltensweise wird die Beziehung wahrscheinlich auf ein einvernehmliches Niveau anheben.

Doch nun zu den Aggregatzuständen des Verhaltens, die ich bereits früher erwähnt hatte. Die Farben im SYNCHRONIZING-Modell sind von innen nach außen grün, gelb und rot. Es gilt folgende Übereinkunft:

  • „Grün“ steht für Zufriedenheit, Wohlgefühl, Ausgeglichenheit und Stabilität. Je nach Charakter können die Formen des Auslebens eher „solide“, fest, steif bis spröde sein oder flexibel, beweglich, biegsam, plastisch.
  • „Gelb“ steht für Unzufriedenheit, Anspannung, Innehalten. Je nach Charakterform erleben wir Zustände wie aufgebracht, wallend, aufgescheucht, auf dem Sprung – aber auch gebremst, abwartend, ratlos, verzögert – ähnlich der „Ruhe vor dem Sturm“.
  • „Rot“ steht für Angst, Überdruck, Dampf, Explosion oder auch für Implosion. Je nach Charakter zeigt sich der Symptomträger wütend, kochend, ungebremst, überschießend oder passiv, isoliert, erstarrt, paralysiert.

Bei diesen Beschreibungen drängen sich die Aggregatzustände auf, die uns aus der Physik und Chemie bekannt sind: fest, flüssig, gasförmig, wobei eine 1:1-Vergleichbarkeit nicht gegeben ist. Wir können uns aus ihr aber eine Vielzahl struktureller Ähnlichkeiten ableiten bzw. vorstellen und auf die Psychodynamik übertragen.

Betrachten wir z.B. die drei Aggregatzustände des Wassers in drei Behältern:                    Abb. 1: Wasser fest                         Abb. 2: Wasser flüssig                       Abb. 3: Wasser gasförmig

Layout 1

Im gefrorenen Zustand (Abb. 1) ist die Form sehr stabil und kristallin. Leichte Schwingungen der Teilchen finden am „Gitterplatz“ statt. Es gibt Rotationen der Teilchen um die eigene Achse. Die regelmäßige Struktur oszilliert harmonisch.

Im flüssigen Zustand (Abb. 2) sind die Wechselwirkungskräfte nicht mehr so stark bindend. Dadurch löst sich die feste Form auf. Eine freie Bewegung der Elemente kann stattfinden, wobei diese gleitend aneinander hängen. Die Form ist unbeständig.

Im gasförmigen Zustand (Abb. 3) ist die Bewegungsenergie so hoch, dass der Zusammenhalt der Struktur aufgelöst wird. Die Elemente wirbeln und „schießen“ durcheinander.

Die Übertragung der Nomenklatur aus der Thermodynamik auf die Psychodynamik fällt am leichtesten bei dem Vergleich von „gasförmig“ zur Farbe „Rot“ im Modell:

„Rot“ bedeutet: „innere Kollision“ der Teilchen – der Gedanken, der Gefühle, der Handlungen. Sie reichen vom Blubbern übers Brodeln bis hin zum Verdampfen und Explodieren. Im gesunden Bereich sind Rot-Episoden von kurzer Dauer und werden im besten Fall schon nach dem Brodeln zurückgefahren, so dass es nicht zum Überkochen kommt. Im kritischen Zustand kocht die Seele oftmals über. Die Umgebung und der Symptomträger selbst leiden gewöhnlich, wenn dieser Zustand anhaltend ist.

„Gelb“ ist – je nach Dauer und Intensität des Zustandes – angenehm (spannend) oder unangenehm (problematisch). Bei „leichtem“ Gelb ist die Materie/Seele in angeregter Bewegung. Wellen sorgen für Schwingungen, die nötig sind für energiegeladene Auftritte (mit Lampenfieber), für Umstrukturierung und für Neuorientierung. Solange die Bindung an „Grün“ besteht, weist „Gelb“ auf Aktivität, Kreativität und Veränderungspotenzial hin. Gelb mit Grün zeigt einen Zustand, wie wir ihn bei Flüssigkristallen finden. Diese stehen für „Struktur in Bewegung“ – wie beim Fernsehen nach dem LCD-Prinzip.  Reißt die Bindung zu Grün ab, neigen die Elemente zur Auflösung der Struktur – zu einem amorphen Zustand.

„Grün“ steht für solide, total berechenbar, starr, fixiert. Wenn es mit „Gelb“ zusammen bzw. im Wechsel auftritt, dann sind geordnete aber dennoch freie Bewegungen möglich. Die Mischung der beiden Zustände bestimmt den Grad der Beweglichkeit. Mit dem Schmelzpunkt beginnt beim Wasser die Flexibilisierung. Es entsteht eine gel-artige Konsistenz – wie Softeis – die formbar und formbeständig zugleich ist. Einfach ausgedrückt verleiht „Gelb“ dem „Grün“ die Flexibilität. Oder noch einfacher: Der Zweifel (gelb) gehört zum Kompromiss (grün).

Ich möchte die analoge Betrachtung hier abbrechen, da die aufkommenden Gedanken ja lediglich dazu dienen sollten, sich die Übergänge zwischen den Aggregatzuständen leichter vorstellbar zu machen. Je nach Temperament (Temperatur) liegt ein Mensch mehr im gefrorenen, im plastisch-verformbaren oder im schäumend-explosiven Bereich.

Der plastisch-formbare Bereich kann sanft oder heftig schwingend ausgestaltet sein. Die Zustände wechseln ständig – mehr oder weniger stark. Wichtig ist, dass wir Menschen im Zusammenleben zwischen Schmelzpunkt und Brodeln bleiben, und dass wir diese Grenzen nur für kurze Dauer überschreiten. Wenn wir längerfristig kurz vor dem Gefrierpunkt oder kurz vorm Kochen sind, ist Coaching, Beratung oder Therapie angeraten.

Unter diesem Gesichtspunkt lohnt es sich, Zustände wie frösteln, erstarren, dahin schmelzen, auftauen, schwitzen, erröten, dampfen, sieden, kochen, platzen, oder explodieren im thermo-psycho-dynamischen Sinne zu begreifen.

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